reich gottes

Lieber Gott,

vorweg: eines Tages wird alles gut sein! Davon bin ich echt zutiefst überzeugt.

Ich sitze hier, schreibe dieses Gebet und dabei schlürfe ich Whisky und esse Pudding mit Schokosoße. Und ich weiß: Es geht mir nicht schlecht. Nein, ich kann mich im Grunde nicht beklagen.

Aber da draußen. Da ist nicht alles gut! Manche essen zwar Pudding so wie ich. Aber andere eben nicht. Und manche Puddingesser haben Angst, es könne ihnen jemand die Schokosoße wegnehmen.

Und um ehrlich zu sein: Nicht nur draußen, auch drinnen! In mir drin, da läuft auch so manches schief. Ich kann das Chaos zwar mehr oder weniger gut vor mir selbst verbergen. Aber im Grunde weiß ich: es ist da! Und es ist mächtig. Da hilft manchmal aller Pudding nichts. Aber du kennst das ja!

Trotzdem: Eines Tages wird alles gut sein! Reich Gottes. Nur du und ich und der ganze Rest. Alles so, wie du es dir gedacht hast.

Doch im Moment sieht es ganz danach aus, als wäre „eines Tages“ eher eine lange Zeit.

Wer, verdammt noch mal, zieht da eigentlich immer eine Grenze um dein Land? Warum kann nicht einfach jetzt schon alles gut sein? Wer verhindert, dass wir zusammenkommen?

Also gut! Ich warte.

Aber echt: Ich hab Sehnsucht.

Amen.

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Diese Installation in der Kapelle des Jugend- und Tagungshauses Wernau wurde durch eine Aktion von Lena Oberlader ergänzt. Sie hat Teile des Gebetes auf eine Graffiti-Tafel geschrieben, ergänzt und dann an immer neuen Orten positioniert. „Das Gebet ist auf Wanderschaft. Es ist rastlos, auf der Suche nach Heimat und Sinn!“ schreibt sie. Dadurch ging es immer wieder neue Beziehungen ein, eröffnete neue Deutungsmöglichkeiten ohne sich endgültig zu positionieren.