Manifest des Vertrauens

In Europa, in Amerika, im Nahen Osten, in Afrika … weltweit säen Menschen Angst. Und sie haben Erfolg: Einige haben Angst mit ihnen. Andere vor ihnen.

In der gegenwärtigen Situation – und immer, wenn Menschen Angst schüren – rufe ich auf:

 

Wir brauchen Vertrauen.

Denn Angst ist da. Aber: Angst ist kein Fehler. Angst ist kein Unfall. Angst ist gut. Wir dürfen sie nicht verstecken. Wir dürfen sie nicht totschweigen. Wir dürfen uns ihrer nicht schämen. Wir dürfen sie nicht rationalisieren. Wir müssen sie aussprechen: Angst. Wenn sie da ist, ist sie da. Wenn sie groß ist, ist sie groß. Sie will uns nichts Böses. Sie will uns warnen. Sie sorgt sich um uns. Wir wären tot ohne sie. Das dürfen wir nicht vergessen. Dankbar dürfen wir ihr sein. Sie begleitet uns ein Leben lang. Treu. Wie ein schützender Engel. Mal ist sie im Hintergrund. Manchmal muss sie uns ganz nahe kommen. Willkommen, Schwester Angst!

 

Wir brauchen Vertrauen.

Auch wenn die Angst unser Gutes will – wir gehören ihr nicht. Sie muss uns zwar manchmal packen, muss uns anfassen, damit wir erfassen, uns angreifen, damit wir begreifen. Sie muss rütteln, schlagen, kratzen, spucken, stechen, drücken, kneifen, schreien. Wir müssen erwachen. Schnell. Aber sie muss genau so schnell ihren Griff wieder lösen. Sie ist nicht unsere Herrin, wir nicht ihre Diener. Wir sind nicht ihre Kinder, sie ist nicht unsere Mutter. Schwester Angst, ich gehöre dir nicht.

 

Wir brauchen Vertrauen.

Wir gehören dem Vertrauen. Vertrauen und Angst kämpfen nicht gegeneinander. Das Vertrauen respektiert die Angst. Es achtet sie. Es liebt sie. Denn ohne die Angst wird auch das Vertrauen sterben. Ohne Angst bliebe nur Leichtgläubigkeit, Naivität, Leichtsinn, Blindheit, Dummheit, Ahnungslosigkeit. Deshalb ist das Vertrauen klug und hört die Angst. Angst und Vertrauen brauchen einander. Aber sie sind nicht ebenbürtig. Denn die Angst ist uns Schwester. Das Vertrauen ist uns aber Mutter.

 

Wir brauchen Mutter Vertrauen.

Nur Vertrauen lässt uns wachsen. Nur Vertrauen gibt Freiheit und Heimat zugleich. Im Vertrauen brechen wir auf und kommen wir an. Im Vertrauen sind wir, wer wir sind. Im Vertrauen können wir sein und lassen. Im Vertrauen leben wir. Wir sind Kinder des Vertrauens.

 

Wir brauchen Mutter Vertrauen.

Ist die Angst groß, dann sei sie groß. Das Vertrauen aber sei ein Stück – es reicht ein Stück – größer. Eine Mutter muss ihre Tochter nicht besiegen. Es ist nicht ihre Aufgabe. Aber sie wird immer die ältere sein. Mutter Vertrauen muss die Angst nicht besiegen. Sie ist älter als ihre Tochter Angst. Älter als meine Schwester und ich. Vertrauen war vor mir. Vertrauen war vor meiner Angst. So wird es immer sein. So wird es bleiben.

 

Wir brauchen Mutter Vertrauen

Angst allein wird uns zu Feinden machen. Wo wir Angst haben, werden wir Feinde haben. Angst gebiert Feinde, Feinde gebären Angst. Wir werden gegen dieses zweiköpfige Monster nur verlieren können. Feinde machen Angst. Dabei darf es nicht bleiben. Was also macht das Vertrauen noch größer als die Angst? Dieser Frage müssen wir uns stellen. Wenn wir kein Vertrauen haben, das größer ist als unsere Feinde, dann sollten wir nicht kämpfen. Aus Angst werden wir uns nur kurzfristig verteidigen können. Nichts wird gut werden, wenn wir in Angst kämpfen. Alles wird schlimmer. Was also macht das Vertrauen größer als die Angst?

 

Wir brauchen Vertrauen bis ins letzte Ende

Am Ende wird alles gut sein! Das ist der erste und letzte Glaubenssatz. Und wenn man es so will, dann ist es auch der einzige. Es ist der ultimative Trost, die letzte Hoffnung, fundamentales Vertrauen. Aber es ist auch ein Satz der Verzweiflung und Angst: Denn erst am Ende wird es so sein. Erst dann. Nicht jetzt. Wir brauchen diesen Satz: Am Ende wird alles gut sein! Hätten wir ihn nicht, wir hätten nur die Gegenwart. Keine Zukunft. Keinen Gott. Keinen Glauben. Keine Hoffnung. Wir hätten nur die Angst. Dieser Satz aber rückt Vertrauen und Angst ins rechte Verhältnis. Dieser Satz ermöglicht Vergebung. Er ermöglicht, dass ich kämpfe. Dieser Satz wird mich einmal selbst richten und reinigen. Dieser Satz gibt der Gegenwart Zukunft. Und mir einen Gott. Ich weiß im Grunde nichts über diesen Gott. Aber ich vertraue ihm. Letztendlich.

Wir brauchen Vertrauen.

 

 

Im Sinne dieses Manifestes werde ich in nächster Zukunft immer wieder arbeiten und spielen.

Spiele, die bereits mit ihm verwandt sind, sind: Angst und Vertrauen und zum Trotz.

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