Angst und Vertrauen

Beobachte deine Angst genau und ehrlich.

Bemühe dich, dass dein Vertrauen größer ist als deine Angst.

Die Spielregel für die folgenden Arbeiten lautete: Experimentiere jeden Tag auf eine andere Art mit dem Verhältnis zwischen Vertrauen und Angst.

Am Mittwoch eine simple (?) Formel:

Hoffnung

 

 

Am Donnerstag: Ein Karton, ein Papiermesser, Vertrauen im Licht, im Schatten, im Spiegel

 

Am Freitag das Motiv vom Donnerstag weiterbearbeitet:

 

Am Samstag: Vertrauen in Beton.

(Diese Arbeit hat sich einige Wochen später noch sehr spannend weiterentwickelt: die lange Geschichte eines Briefes, der am Ende doch ankam)

 

Am Sonntag: Welten aus handgeschöpften Papier (waren früher schlechte Nachrichten in meiner Zeitung) schweben zwischen den Schneeflocken.

Auch die Idee, mit den schlechten Nachrichten aus der Zeitung Papier zu schöpfen, hat sich noch weiterentwickelt: Türen.

 


Hintergrund zur Spielregel

Die Quintessenz eines Vortrages, den ich vor einiger Zeit über Fundamentalismus gehalten habe, lautete:

Beobachte deine Angst genau und ehrlich.

Bemühe dich, dass dein Vertrauen stets größer ist als deine Angst.

Denn: Das erste, was die Angst zerstört, ist das Vertrauen. Dann verändert sie schleichend das Weltbild. Und damit hat sie die Religion zerstört.

Angst ist das Tor, durch das der Fundamentalismus das Denken betritt. Angst ist das trojanisch Pferd, in dem sich die Gewalt in unsere Weltbilder schleicht. Angst ist der Stoff, der uns schleichend radikalisiert, abhängig macht und uns zugleich selbst zerstört.

Angst ist ansteckend. Für solche, die gleich denken, wie ich. Und für solche, die genau anders denken.

Angst produziert Verhalten, das Angst produziert.

Fundamentalismus ist ein Virus. Durch die Angst gelangt er in den Körper der Religion, um die DNA des Glaubens zu verändern und so die Spiritualität von innen heraus zu zerstören. Fundamentalismus erzeugt Fundamentalismus und Gegen-Fundamentalismus.

Angst ist nicht böse. Angst schärft den Blick. Angst erfüllt eine Funktion. Aber sie darf nicht das letzte und alleinige Kommando über mein Denken, Glauben, Handeln haben. Angst braucht einen starken Gegenpol: Das Vertrauen.

Der Virus des Fundamentalismus weiß das. Sein erster Angriff gilt daher immer dem Vertrauen. Hat er das Vertrauen geschwächt, übernimmt die Angst die Kontrolle. Der Blick ist nicht mehr nur scharf, sondern überscharf. … und die Krankheit kann beginnen. Ab jetzt lautet die Aufgabe des Fundamentalismus nur noch: produziere und verbreite dich selbst. Und mit dir die Angst. Je weniger dein Opfer ahnt, dass du hier das Kommando führst, um so besser.

—–

Ich habe Angst im Moment: Vor Pegida, vor Islamismus, vor Terrorismus, vor dem Mob, der Politik, Fundamentalismus in Kultur und Religion, … es gibt so viele Gründe im Moment.

Aber ich will mich an meinen eigenen Rat halten. Ich bemühe mich vor allem anderen darum, dass mein Vertrauen stets größer sei als meine Angst.

Deshalb spiele ich dieses Spiel.

 

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